Hallo Nachbar!

Alte und Junge, Männer und Frauen, sie alle machen die Erfahrung in ihrem Leben: Du bist allein. Wie gehen wir damit um? ­Vielen gelingt es, dies zu verkraften. Aber manche bleiben dabei auf der Strecke, auch in unserer Stadt. Vereinsamung und Bedürftigkeit, ja zuweilen Armut bis hin zum Elend, setzen Menschen zu. Auch in einer reichen Stadt wie Düsseldorf, die viel tut, um Menschen in Not aufzufangen. Aber manche bleiben draußen, schaffen nicht mehr den Schritt in Ämter, Sozialeinrichtungen und soziale Gruppen. Die Gründe sind vielfach. Aber am Ende zählt nur das Ergebnis: Verstrickung in Einsamkeit und Not. Diese Menschen brauchen andere ­ Nachbarn, neue Freunde, Ehrenamtliche -, die sie aufsuchen und zu ihnen gehen. Ein gutes Wort, Zuhören, Mitfühlen, ohne im Mitgefühl zu ersticken: das ist nötig. Nur so kann die soziale Barriere, die sich aufgebaut hat, überwunden werden.

Hallo, Nachbar!
eine Einrichtung von vision:teilen e.V., hat sich dies zum Ziel gesetzt. Geleitet von Ulrich Fezer, fragen wir nach, wo Menschen in dieser Vereinsamung und Not unter uns leben. Über Telefon, durch Besuche von Ehrenamtlichen, aber auch über Facebook suchen wir Kontakt und bauen eine Brücke zwischen den Einrichtungen, die dem Einzelnen helfen können, und den Bürgerinnen und Bürgern in Not, deren stiller Schrei ansonsten ungehört verhallt. Wie die Rheinbrücke in Düsseldorf, so wollen wir in dieser Stadt beide Seiten verbinden: die Seite der Gesellschaft mit ihren Einrichtungen und die Seite des Einzelnen, der bisher sozusagen am anderen Ufer steht.

Kontakt zu Hallo, Nachbar!:
Ulrich Fezer u.a.
Tel. 0211-153060
hallo-nachbar@vision-teilen.org

Zum Flyer......

 

Versammlung der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Schmiede mit ihrem Leiter Ulrich Fezer

All das geht nur durch ehrenamtliche Kräfte, die pro Woche eine überschaubare Zeit ­ drei bis vier Stunden ­ dem unbekannten Nachbarn in Not widmen. Über das, was sie erleben, berichten sie in den "Alltagsgeschichten" (siehe unten). vision:teilen e.V. dankt allen, die uns dabei helfen: durch ihre Hinweise auf Nachbarn in Not, als Ehrenamtliche, durch Sachspenden und nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung, ohne die wir unsere Aufgabe nicht wahrnehmen können. Wir möchten gute Nachbarn sein, die einander helfen. Dann wird Düsseldorf noch schöner, noch menschlicher. Dann heißt unsere Zukunft: DÜSSELDORF - UNSERE STADT MIT HERZ.

      

NEUE MITARBEITERIN BEI "HALLO NACHBAR!"

Seit dem 01. März 2016 verstärkt Susanne Schick als Sozialarbeiterin bei vision:teilen e.V.  unser Team bei „hallo nachbar!“. Susanne hat einen Abschluss als Diplom-Sozialpädagogin der Fachhochschule Düsseldorf und hat sich bereits früher mit älteren Menschen beschäftigt (Betreuungsdienst). Sie wird bei „hallo nachbar!“ hauptsächlich für den Erstkontakt bei unseren Nachbarn zuständig sein, dabei feststellen, ob und in welcher Weise unsere Initiative hilfreich sein kann, und wird sich dann mit Werner, unserem Ehrenamts-Beauftragten, darüber abstimmen, welche/r Ehrenamtliche Mitarbeiter/in sich um diesen Nachbarn kümmern kann.

Wir begrüßen Susanne ganz herzlich bei „hallo nachbar!“ und wünschen ihr eine gute und erfolgreiche Zeit bei vision:teilen und in unserem Team.

 

Ulrich Fezer (Projektleiter „hallo nachbar!“)

               

Alltagsgeschichten:

Der neue Nachbar

Es war Winterzeit. An diesem Morgen regnete und stürmte es so stark, da wäre man lieber noch im Bett geblieben. Aber ich hatte einen Termin. Ich war mit der Sozialpädagogin von „Hallo Nachbar“ verabredet, da sie mir einen neuen Nachbarn vorstellen wollte.

Wir trafen uns zufällig in der Straßenbahn und fuhren das letzte Stück gemeinsam. Es fehlten noch einige Minuten bis zu unserem vereinbarten Termin, doch wegen des schlechten Wetters beschlossen wir, direkt bei dem neuen Nachbarn zu schellen.

Im ersten Stock stand die Türe offen, wir traten ein und sahen in ein erwartungsvolles Gesicht. Nachdem wir unsere nassen Mäntel an der Garderobe und die Schirme im Badezimmer untergebracht hatten, stellten wir uns vor.

Er erzählte uns, dass seine Ergotherapeutin die Anzeige von „Hallo Nachbar“ in der Straßenbahn gelesen hatte und ihm davon berichtete. Sie behandelte ihn seit ca. 3 Jahren und wusste, dass er nicht mehr viele Kontakte hatte. Was war geschehen?

Kurz bevor er in Rente ging, suchte er sich eine kleinere Wohnung, hatte den Umzug und das Neueinrichten hinter sich gebracht. Da passierte es!

Während einer Autofahrt bekam er einen Gehirnschlag. Schnell kam er ins Krankenhaus, lag lange dort, bis er später zur Reha kam. Zurückgeblieben ist eine halbseitige Lähmung auf der rechten Seite. Er erhält seither Physiotherapie und Ergotherapie, wobei er im ersten Jahr noch seine Aussprache mit einer Logopädin trainierte. Er benötigt Hilfe für den gesamten Haushalt, zum Einkaufen, zum Baden und vieles mehr. In der Wohnung bewegt er sich mit einem Rollator und für draußen hat er einen Rollstuhl - kommt aber nicht alleine mit seinem Rollstuhl vom ersten Stock hinunter. Das Sprechen fiel im schwer und strengte ihn an.

Bei unseren neuen Nachbarn stellen wir uns mit unserem Vornamen vor und fragen, ob wir den Nachbarn mit seinem Vornamen ansprechen und duzen dürfen. Sein Rufname und meiner passten wie „Romeo und Julia“ zusammen.

Zudem tauschten wir Telefonnummern aus, um zwischen den Besuchen wichtige Informationen zu erhalten, oder auch einfach erreichbar zu sein. Dabei stellten wir fest, wir hatten den gleichen Handy Typ und lachten darüber.

Er ist im gleichen Stadtteil aufgewachsen wie ich, und wir sind im gleichen Jahr geboren. Er erzählte von seinen Hobbies, wobei Skat sehr wichtig für ihn ist. Da erinnerte ich mich an einen ehemaligen Kollegen, der auch jede Woche Skat spielte in einem Nachbarort. Auch der Nachbar spielte dort jede Woche Skat und es stellte sich heraus: mein Kollege war ein langjähriger Freund von meinem neuen Nachbarn.

Wir stießen auf so viele Gemeinsamkeiten, dass uns der Gesprächsstoff bestimmt nicht ausgeht.Das war der erste Tag mit meinem neuen Nachbarn und ich hatte ein sehr gutes Gefühl für unsere wöchentlichen Treffen in der Zukunft.

  

Weitere Alltagsgeschichten:

Damit hat wohl keiner gerechnet

Hallo ehrenamtlicher Nachbar?

Das Leben unseres Nachbarn Carlo

Mein erster Ausflug mit meiner Nachbarin

Ein Haftbefehl!

Draußen und drinnen

Grundnahrungsmittel

Ein nicht mehr beschwerlicher Weg